Hol dir noch mehr Einblicke in das Leben von Bäuerinnen auf den Kanälen von StadtLandTier – schau rein!
Was bedeutet es für dich, Bäuerin zu sein?
Ich liebe meinen Beruf, weil er so abwechslungsreich ist, ich in und mit der Natur arbeite, dabei wertvolle Lebensmittel produziere und meine eigene Chefin sein kann. Die Arbeit mit den Tieren macht mir Freude und ich finde trotzdem Zeit für meine Familie.
Wie erlebst du die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und in der Politik?
Ich glaube, Bäuerinnen sind heute stärker aktiv und sichtbar. In unserem Bezirk sind wir sehr bemüht, den Menschen Landwirtschaft näher zu bringen.
In der Politik sehe ich noch Aufholbedarf. Frauen bringen andere Perspektiven ein, verhandeln anders und haben oft einen anderen Zugang. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns einbringen.
Welche Aufgaben am Betrieb sind schwer für dich? Was bereitet dir Sorgen?
Die Zuchtsauenhaltung ist für mich körperlich sehr fordernd, besonders bei schweren Arbeiten oder wenn Tiere erkranken – ihre Gesundheit steht an erster Stelle. Sorgen machen mir die steigenden Anforderungen in puncto Tierwohl und die damit verbundenen Investitionskosten. Gleichzeitig wollen wir unseren Betrieb zukunftsfit machen, weil unsere Söhne den Betrieb weiterführen möchten.
Veränderungen hat es immer gegeben. Man muss entscheiden, ob man mitgeht oder nicht. Im Nachhinein sieht man oft, dass Veränderungen auch Vorteile bringen. Ein Beispiel ist die Umstellung auf Gruppenhaltung bei Sauen – damals war das ein großer Einschnitt, heute sehen wir, dass es den Tieren guttut.
Wie schaffst du den Spagat zwischen Betrieb, Familie und dir selbst?
Ein Familienbetrieb funktioniert nur, wenn alle zusammenhelfen. Es stimmt, dass viele Fäden bei mir zusammenlaufen, aber wir unterstützen uns gegenseitig und ich nehme mir ganz bewusst auch Zeit für mich – das ist wichtig!
Natürlich ist die Situation von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich und es gibt viele Frauen in der Landwirtschaft, die stark gefordert sind. Oft sind Familienkonstellationen kompliziert, jeder Hof hat andere Abläufe und wird unterschiedlich gemanagt, jeder Mensch ist unterschiedlich belastbar.
Welche Rolle spielen erneuerbare Energien auf deinem Hof?
Eine große! Wir heizen am Hof mit Hackschnitzeln und seit zwei Jahren haben wir die Photovoltaikanlage auf unseren Dächern aufgestockt und produzieren damit jetzt im Schnitt 400.000 kWh im Jahr. Das ermöglicht nicht nur eine optimale Stromversorgung am Betrieb, sondern bildet ein zusätzliches Einkommen für unsere Familie. Derzeit sind wir zu 80 % energieautark.
© BMLUK/Paul Gruber
Die Unwissenheit der Bevölkerung in puncto Tierhaltung ist riesengroß. Aber nicht, weil das Interesse fehlt, sondern der Zugang. Mit „Schule am Bauernhof“ möchte ich den Konsumentinnen und Konsumenten und besonders auch den Kindern die Landwirtschaft wieder näherbringen. Wir müssen mehr erklären und sichtbar sein, damit Wertschätzung entsteht.
Wie erlebst du die gesellschaftliche Debatte rund um Tierhaltung – was möchtest du dazu beitragen?
Welche Fragen stellen Kinder besonders häufig?
Sie interessieren sich vor allem für die Tiere – sie wollen die Ferkel sehen und streicheln. Viele Kinder denken zuerst, Bauernhöfe sind wie im Bilderbuch mit ganz vielen verschiedenen Tierarten, wie in einem Streichelzoo. Ich erkläre dann, dass wir einen spezialisierten Betrieb haben und Landwirtschaft immer auch ein Unternehmen ist. Die Kinder merken dann schnell, dass es harte Arbeit und ein Beruf mit viel Verantwortung ist.
Gibt es auch kritische Fragen?
Ja, Themen wie Sojaimporte oder Stallhaltung kommen immer wieder. Auch der Vollspaltenboden wird oft angesprochen. Dann gehen wir gemeinsam in den Stall und schauen uns die Realität an. Die Tiere sind entspannt, sauber und fühlen sich wohl – ganz anders als es manche vermuten.
Warum ist es wichtig, mehr Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft aufzubauen?
Während vor nicht allzu langer Zeit ein Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig war, sind es heute nur noch knapp 3 %. Das Wissen rund um Landwirtschaft hat dadurch abgenommen. Für mich ist das ein klarer Auftrag, mich als Bäuerin wieder sichtbarer zu machen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
© BMLUK/Paul Gruber
© BMLUK/Paul Gruber
© BMLUK/Paul Gruber
© BMLUK/Paul Gruber
© BMLUK/Paul Gruber
© BMLUK/Paul Gruber
Hol dir noch mehr Einblicke in das Leben von Bäuerinnen auf den Kanälen von StadtLandTier – schau rein!