Erlebst du auf deinem großen Biobetrieb noch oft, dass man dich in dieser Männerdomäne unterschätzt?
Klar habe ich auch schon erlebt, dass Leute auf den Hof kommen und fragen: „Wo ist denn der Chef?“ Aber hier bin ich in alle wichtigen Entscheidungen involviert.
Ich habe das Gefühl, dass man als Frau in einer Führungsrolle oft stärker hinterfragt wird. Man muss sich mehr beweisen und darf sich nicht verunsichern lassen. Auf einer Messe war ich etwa an einem Hackgerät interessiert, wurde aber von keinem Aussteller ernst genommen – ich habe erst sinnvolle Antworten bekommen, als ich die Betriebsgröße und meinen Partner erwähnt habe. Selbst dann haben die Aussteller deutlich spüren lassen, dass sie lieber mit meinem Partner geredet hätten.
Wie hat sich die Rolle der Frau in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten verändert?
Früher wurde die Arbeit von Frauen am Hof oft als „Mithilfe“ gesehen, auch wenn sie tragende Säulen des Betriebs waren. Heute treten Frauen viel sichtbarer als Betriebsführerinnen, Unternehmerinnen und Entscheidungsträgerinnen auf. Sie übernehmen Verantwortung in allen Bereichen, bringen neue Perspektiven ein, vor allem in der nachhaltigen Bewirtschaftung. Trotzdem gibt es immer noch traditionelle Denkmuster, die wir überwinden müssen.
Viele technische Aufgaben in der Landwirtschaft gelten traditionell als „Männersache“. Wie stehst du dazu?
Sich zu behaupten, ist alles eine Frage der Übung. Praktische Fähigkeiten kann man lernen, sie sind nicht geschlechtermäßig angeboren. Niemand kommt auf die Welt und kann einen Traktoranhänger rückwärts schieben.
Warum fehlt vielen Frauen deiner Meinung nach oft die nötige Routine an den Maschinen?
Wenn man die Aufgabe immer abgibt, fehlt einem die Übung. Bei Frauen heißt es oft: „Lass das den Papa, den Bruder oder den Sohn machen.“ Männern hingegen ist es oft peinlich, etwas nicht zu können.
Gibt es eine Arbeit am Feld, die du besonders gerne übernimmst, auch wenn du sie delegieren könntest?
Ich sitze selbst oft am Traktor und bin hauptsächlich für das Hacken von Soja oder Mais zuständig. Nicht, dass es die anderen nicht können. Aber dafür braucht man viel Geduld und ich mache diese Arbeit irrsinnig gern.
Was war deine Motivation, den Betrieb zu diversifizieren und einen Onlineshop zu erstellen?
Ich wollte eine Direktvermarktung mit Ackerbaukulturen aufbauen. Prinzipiell verkauft man als Ackerbaubetrieb Mais, Soja und Weizen LKW-weise an große Händler. Man hat keine Ahnung wie viele Verarbeitungsschritte die Produkte durchlaufen und wo diese schließlich konsumiert werden. Ich kann meinen Konsument:innen genau sagen, von wem das Produkt erzeugt wird und so eine Verbindung aufbauen. Und die Wertschätzung, die ich zurückbekomme ist sehr motivierend.
Du nutzt deine Ausbildung als Grafikerin für deine Direktvermarktung. Welchen Vorteil bietet dir das?
Ich gestalte meine Logos, Etiketten und die Webseite selbst. Das spart Kosten und ich kann meine künstlerische Seite ausleben. Weiters bietet es mir einen Vorteil bei der Stückzahl. Ich bin dabei sehr flexibel und kann auch schon kleine Mengen kostendeckend realisieren.
Dein Bio-Popcorn hat für Aufsehen gesorgt. Warum ist die Herstellung so aufwendig?
Hier zählen weniger Menge und Ertrag, sondern der reine Geschmack. Das Korn darf beim Abrebeln vom Kolben nicht brechen, da es sonst nicht mehr aufpoppt. Wir arbeiten hier teilweise mit uraltem Gerät und viel Handarbeit.
Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass Lebensmittel aus der Region kommen?
Gerade in Zeiten globaler Krisen zeigt sich, wie wichtig funktionierende regionale Kreisläufe und eine gewisse Eigenversorgung sind. Wer regional kauft, stärkt die heimische Landwirtschaft und sichert Arbeitsplätze vor Ort. Außerdem wissen Konsumentinnen und Konsumenten eher, woher die Produkte stammen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt wurden.
Welchen Rat möchtest du anderen jungen Frauen geben, die in der Landwirtschaft durchstarten wollen?
Mein Rat ist: Traut’s euch! Macht es! Sch… dir nix! Alles ist erlernbar.
Traut euch Verantwortung zu übernehmen, stellt Fragen und bleibt offen für Neues. Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen sind entscheidende Faktoren.
© BMLUK/Paul Gruber
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