Ist Diversifizierung Frauensache?

Mehrere Studien zeigen, dass Bäuerinnen bei Diversifizierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft ein besonders hohes Engagement zeigen. Oft bringen Frauen als Quereinsteigerinnen Wissen und Erfahrungen aus anderen Ausbildungen und Berufen mit und beeinflussen damit die Entwicklung der Betriebe wesentlich. Sie haben ein gutes Gespür für neue Märkte und sind damit als Unternehmerinnen wichtige Impulsgeberinnen für eine moderne Landwirtschaft. Besonders auf Betrieben mit Urlaub am Bauernhof sind heute bereits mehrheitlich Frauen (alleine oder in Partnerschaften) die Hauptverantwortlichen.

Fest steht: Österreichs Bäuerinnen stehen in ihren vielfältigen Rollen im Mittelpunkt der Familienbetriebe und sorgen dafür, dass diese breit aufgestellt und wettbewerbsfähig sind.

Vermarktung, Pädagogik, Pflege – so entsteht Wertschöpfung am Bauernhof

Diversifizierung hat in Österreich eine lange und erfolgreiche Tradition. Vom Tourismus, Direktvermarktung, kommunalen Dienstleistungen bis hin zu pädagogischen Angeboten oder Pflege am Hof, nimmt sie vielfältige Formen an:

Rund 330 Seminarbäuerinnen und -bauern vermitteln österreichweit praxisnahes Wissen rund um Landwirtschaft, Ernährung und regionale Produkte - etwa im Rahmen von Workshops in Schulen, bei Kochkursen mit Erwachsenen oder auf Veranstaltungen und Messen.

Hilfreiche Infos im Factsheet Seminarbäuerinnen und -bauern. 

Auf rund 600 Betrieben wird mit „Schule am Bauernhof“ wichtiges landwirtschaftliches Wissen direkt am Hof an Kinder und Jugendliche vermittelt. Sie erlernen so früh einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur, Tieren und Lebensmitteln.

Hilfreiche Infos im Factsheet Schule am Bauernhof. 

Österreichweit bieten etwa 7.400 Betriebe mit insgesamt 70.000 Gästebetten „Urlaub am Bauernhof“ an. So werden mindestens 23.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen geschaffen und Konsument:innen erhalten direkten Einblick in die Landwirtschaft.

Hilfreiche Infos im Factsheet Urlaub am Bauernhof. 

Ob im Ab-Hof-Verkauf, per Zustellung oder auf Bauernmärkten: Durch den Verkauf eigener Erzeugnisse direkt an Endverbraucher:innen, Gastronomie oder Einzelhandel, schaffen bäuerliche Betriebe Vertrauen in ihre Arbeit und ihre Produkte. Rund 30.000 Bauernhöfe erwirtschaften über Direktvermarktung ein zusätzliches Einkommen.

Hilfreiche Infos im Factsheet Direktvermarktung.

Im Rahmen von „Green Care“ bieten qualifizierte Bäuer:innen soziale, gesundheitsfördernde und pädagogische Dienstleistungen am Hof an. So entstehen etwa Bauernhofkindergärten, Seniorinnen- und Senioren-WGs und mehr. Aktuell gibt es 132 zertifizierte Green-Care-Betriebe in Österreich.

Hilfreiche Infos im Factsheet Green Care.

Neben dem gesellschaftlichen Mehrwert von Diversifizierungsmaßnahmen sind sie eine wertvolle Einnahmequelle für Österreichs Betriebe. Auswertungen der Agrarstrukturerhebung zeigen, dass Höfe mit Diversifizierungsangeboten eine höhere Rentabilität aufweisen und wettbewerbsfähiger agieren. Eine 2025 durchgeführte Umfrage ergab außerdem, dass sie positiver in die Zukunft blicken als Betriebe ohne Diversifizierung. In der kleinstrukturierten österreichischen Landwirtschaft sind Direktvermarktung und Co somit eine attraktive Chance für nachhaltige Wertschöpfung am Betrieb.  

Das Landwirtschaftsministerium fördert Bildungsprojekte, um Bäuerinnen und Bauern bei der Entwicklung von innovativen Ansätzen auf ihren Betrieben zu unterstützen:

Hol dir Inspiration für deine Betriebsentwicklung! 

Mein Hof – Mein Weg: Hier kannst du dich über aktuelle Trends und Innovationen in der Land- und Forstwirtschaft informieren. Spannende Webinare, Newsletter sowie Podcasts liefern Ideen und Inspiration. Unterstützung gibt es auch von Innovationsberater:innen, die dir bei der Weiterentwicklung deiner Konzepte helfen.

Wissensplattform DirektvermarktungHol dir umfangreiche Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, zur Qualitätssicherung, Produktsicherheit und Kennzeichnung in der Direktvermarktung. Erklärvideos, Handbücher, Musteretiketten und mehr stehen dir dafür zur Verfügung.

Welche Unterstützung gibt es für Diversifizierungs-maßnahmen?

Der Schritt, die Wertschöpfung des landwirtschaftlichen Betriebs durch Diversifizierung zu erhöhen, erfordert Investitionen am Betrieb, Mut, Ausdauer und spezielle Qualifikationen. Darum unterstützt das Landwirtschaftsministerium Bäuerinnen und Bauern mit diversen Maßnahmen:

Diversifizierungsaktivitäten (73-08): Unterstützt werden bauliche und technische Investitionen einschließlich der dafür notwendigen Einrichtung und Ausstattung in folgenden Bereichen:

  • Landwirtschaftlicher Tourismus und Aktivitäten der Freizeitwirtschaft sowie Bewirtung (z. B. Urlaub am Bauernhof, Buschenschenken)
  • Verbesserung der Be- und Verarbeitung, Vermarktung und Absatzmöglichkeiten von Produkten (z. B. Hofläden, Verarbeitungsraum)
  • Aktivitäten in kommunalen, sozialen und sonstigen (Dienstleistungs-)Bereichen (z.B. Green Care, Kompostierungsanlangen)
  • Sonstige oder neue Diversifizierungsformen (z. B. Traditionelle Handwerkstätigkeiten, landwirtschaftliche Projekte in Zusammenhang mit Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie).

Land- und forstwirtschaftliche Betriebsberatung: Im Rahmen der Diversifizierungsberatung in Kooperation der Landwirtschaftskammern und von Bio Austria werden Betriebe dabei unterstützt, zusätzliche Einkommensquellen neben der klassischen Urproduktion zu erschließen. Im Fokus stehen insbesondere Betriebszweige wie Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof, Green-Care-Angebote sowie Schule am Bauernhof.

Spezielle Lehrgänge zur Höherqualifikation von Bäuerinnen und Bauern: Gefördert werden umfassende (Zertifizierungs-) Lehrgänge zu diversen Themengebieten. Unter anderem zu Diversifizierungsmaßnahmen wie Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof, tiergestützte Interventionen am Bauernhof, Green Care „Senior:innenbetreuung am Hof“, Schule am Bauernhof, Seminarbäuer:innen, Waldpädagogik und viele weitere. Durchgeführt werden die Lehrgänge vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI).

© BMLUK/Alexander Haiden

© BMLUK/Paul Gruber

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