Geschlechter-gleichstellung im ländlichen Raum

Bäuerinnen tragen tagtäglich Verantwortung, am Betrieb, in der Familie und in der Gesellschaft. Dabei sehen sich viele mit strukturellen Ungleichheiten konfrontiert: enorme Mehrfachbelastungen durch unbezahlte Arbeit und Betreuungspflichten – nach Angabe der Bäuerinnenorganisationen bis zu fünf Stunden täglich – sowie damit einhergehende Fragen der sozialen Absicherung zeigen deutlich, dass die Geschlechtergerechtigkeit in der Praxis noch nicht erreicht ist.

Gleichstellung ist jedoch kein optionales Nebenziel, sondern die Voraussetzung für einen zukunftsfähigen ländlichen Raum. Das Landwirtschaftsministerium unterstützt daher diverse Initiativen, um Bäuerinnen und Frauen im ländlichen Raum zu stärken:

LEADER-Projekte forcieren Gleichstellung

Die im Rahmen des GAP-Strategieplans 2023–2027 eingerichtete und vom Landwirtschaftsministerium koordinierte Arbeitsgruppe Geschlechtergleichstellung fördert unter Begleitung des Netzwerks Zukunftsraum Land die Chancengerechtigkeit in der Landwirtschaft, indem sie durch Datenanalysen, Beratungsansätze und praxisnahe LEADER-Leitfäden konkrete Handlungsempfehlungen für eine moderne ländliche Entwicklung liefert.

Bäuerin und ihr Partner stehen im Ziegenstall.
  • In der Pilotregion Hermagor wurden Gleichstellungsziele strategisch in allen Aktionsfeldern der LEADER-Entwicklungsstrategien verankert. Durch Workshops, Beratung und der Entwicklung eines Handlungsleitfadens wurde ein Modell für andere Lokale Aktionsgruppen (LAG) entwickelt, um Geschlechtergleichstellung in der Regionalentwicklung zu implementieren.

  • Das Projekt women.to.ring stärkt Frauen im Pongau durch Bildung, Mentoring und Vernetzung, um ihnen neue berufliche und persönliche Perspektiven zu eröffnen. Es zielt darauf ab, strukturelle Benachteiligungen abzubauen und Frauen stärker in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik einzubinden.

  • Das Mentoring-Programm „Frauen bewegen!“ in der Region Fuschlsee-Mondseeland stärkt Frauen in ihrer persönlichen Entwicklung und ermutigt sie, Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und Vereinen zu übernehmen bzw. den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

  • Das Projekt „Die Bäuerin hat’s“ der Region Wels macht die Leistungen von Bäuerinnen sichtbar und stärkt ihre Rolle in der regionalen Direktvermarktung. Im Mittelpunkt stehen die Präsentation von Produkten, der Aufbau von Netzwerken sowie gemeinsame Vermarktungsinitiativen, um Frauen als zentrale Akteurinnen in Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung zu stärken.

  • Die Initiative „Rollen im Wandel“ bricht in Vorarlberg veraltete Rollenbilder im Dorfleben auf und macht innovative Lebensentwürfe sichtbar. Durch praxisnahe Ansätze, Bildungsformate und breite Einbindung von Gemeinden, Betrieben und Bevölkerung stärkt es die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und die gleichberechtigte Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit.

Frauen-Mentoring in der Forstwirtschaft

Für mehr Chancengleichheit in der Forst- und Holzwirtschaft finanziert das Landwirtschaftsministerium das Projekt „Karrierechancen und -pfade von Frauen in der Österreichischen Forst- und Holzwirtschaft“. Dabei werden Mentoring-Programme für Frauen in der Forst- und Holzwirtschaft durchgeführt und auch Mentor:innen geschult, um das Bewusstsein für Frauenförderung und Chancengleichheit zu verbessern und die Etablierung langfristiger Netzwerke zu ermöglichen.

Unterstützung in herausfordernden Situationen

„Lebensqualität Bauernhof“ ist eine bundesweite Bildungs- und Informationsinitiative zur Unterstützung von Bäuerinnen und Bauern in besonderen Lebenssituationen und zur Verbesserung der Lebensqualität bäuerlicher Familien. Das Angebot reicht von einem Bäuerlichen Sorgentelefon, über psychosoziale Beratung in den Bundesländern bis hin zu zahlreichen Bildungsangeboten.

Neue Mentoring-Plattform für Bäuerinnen auf EU-Ebene

Für Bäuerinnen aus den EU-Staaten hat die Europäische Kommission 2026 eine neue „Women in Farming Plattform“ eingerichtet. Die Initiative soll Frauen in der Landwirtschaft stärken und als Netzwerk und Austauschforum dienen, in dem sich Bäuerinnen vernetzen, Erfahrungen und Praxisbeispiele teilen können. Vorrangiges Ziel ist es, ein Mentoring-Netzwerk aufzubauen, das erfahrene Bäuerinnen und Junglandwirtinnen zusammenbringt.

Bäuerinnen, die Interesse haben mitzuwirken, können sich bis 30. April für eine Mitgliedschaft auf der Plattform und beim Mentoring-Programm bewerben. Der aktuelle Aufruf ist zwar zeitlich begrenzt, es sind aber zukünftige Bewerbungsrunden geplant.

© BMLUK/Sarah Gross

Zahlreiche LEADER-Projekte zur Entwicklung ländlicher Räume zielen darauf ab, die Rolle von Frauen in den Regionen zu stärken, ihre Vernetzung zu fördern und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Einige Beispiele aus der Praxis: