© BMLUK/Paul Gruber
Du bist schon sehr jung in den Betrieb eingestiegen. Wann war für dich klar, dass du in die Teichwirtschaft deiner Eltern einsteigen möchtest?
Ich habe ein paar Sachen ausprobiert, zum Beispiel Buchhaltung und Tourismus. Aber das war mir alles zu einseitig. Mit 19 habe ich dann angefangen, im Betrieb zu arbeiten, weil dort wirklich viele Bereiche abgedeckt sind.
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Was ist aktuell dein wichtigstes Ziel am Betrieb?
Das nächste Ziel ist, dass der Umbau fertig wird und alles modernisiert ist. Wir erneuern die untere Etage, also den Bereich für Verarbeitung und Verkauf. Außerdem möchte ich meinen Meister bald abschließen.
Wenn das alles funktioniert, können wir an neue Produkte gehen oder vielleicht auch einen Online-Vertrieb ausprobieren. Langfristig geht es also darum, die Produktpalette weiterzuentwickeln, aber neue Fischarten sind derzeit nicht das Ziel.
Du bewirtschaftest den Betrieb gemeinsam mit deinem Bruder. Wie teilt ihr euch die Verantwortung auf?
Wir haben die Aufgaben sehr klar getrennt. Er übernimmt die Schlachtung und mehr die Grünpflege. Ich bin eher für Kundenbetreuung und Weiterverarbeitung zuständig. Da hat jeder seine Bereiche, die Verantwortung ist aber grundsätzlich geteilt. Wenn es um Betriebsentscheidungen geht, entscheiden wir immer gemeinsam.
Beim Thema Tierwohl denken viele zuerst an Kühe oder Schweine. Was ist beim Fisch wichtig für Tierwohl?
Bei Forellen und Saiblingen ist zum Beispiel fließendes Wasser wichtig, damit sie gegen den Strom schwimmen können. Sie sollen ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Bei Fischen kommt es oft gar nicht so sehr auf die Größe des Beckens an, sondern darauf, wie viel Wasser durchfließt.
Wenn es wärmer wird und sie plötzlich vereinzelt irgendwo stehen bleiben, merkt man direkt, dass es ihnen nicht so gut geht. Das kann zum Beispiel Hitzestress sein oder mit dem Sauerstoffaustausch zusammenhängen. Dann muss man entsprechend handeln.
Wie verändert der Klimawandel die Arbeit in der Teichwirtschaft?
Wenn der Winter wenig Niederschlag bringt oder der Sommer sehr warm ist, merkt man, dass weniger Wasser aus den Quellen kommt. Teilweise steigt sogar die Wassertemperatur und das kann die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen.
Auch bei der Fütterung spürt man den Klimawandel. Bei milden Wintern hören Karpfen nicht ganz auf zu fressen, wie in der Winterruhe sonst üblich. Ihr Biorhythmus kommt durcheinander. Langfristig stellt sich natürlich die Frage, wie es in 20 Jahren aussieht und ob wir dann noch genug Wasser haben.
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Was bedeutet es für dich persönlich, Lebensmittel für andere Menschen herzustellen?
Wenn ich zum Beispiel einkaufen bin und unseren Fisch am Kassenband sehe, ist das schon ein schönes Gefühl. Es motiviert, wenn man den Leuten eine Freude macht. Es gibt Kundinnen und Kunden, die schon seit Jahren kommen und immer wieder sagen, wie schön es ist, dass der Betrieb weitergeführt wird.
Der Selbstversorgungsgrad mit Fisch in Österreich ist sehr gering. Braucht es mehr Teichwirtschaft und Aquakultur?
Ja, ganz sicher. Wir kaufen teilweise Setzlinge zu, und dort ist die Verfügbarkeit schon schwierig. Es gibt nur einige große Fischzuchten, von denen viele beziehen. Da müsste mehr passieren.
Du hast den Facharbeiter für Teichwirtschaft gemacht und warst teilweise die einzige Frau im Kurs. Hast du das Gefühl, manchmal unterschätzt zu werden?
In den Facharbeiterkursen gab es tatsächlich manchmal auch unangenehme Kommentare. Oder im praktischen Unterricht hieß es manchmal: „Lass mich das machen“, weil einem körperliche Arbeiten nicht zugetraut werden. Es gab aber auch viele positive Beispiele.
Am Anfang habe ich auch am Betrieb gemerkt, dass manche immer noch nach dem Chef gefragt haben, obwohl ich die Chefin bin. Selbst bei einfachen Dingen, etwa bei Bestellungen, wollten manche nicht mit mir reden.
Wie hat sich die Rolle der Frau in der Landwirtschaft im Vergleich zu früheren Generationen verändert?
Man merkt schon, dass mehr junge Frauen Betriebe übernehmen. Frauen haben früher auch schon überall mitgeholfen und nebenbei auf die Familie geschaut. Das machen sie heute oft auch, aber sie sind stärker in andere Bereiche wie Buchhaltung und Alltagsgeschäft eingebunden und auch mehr in unternehmerische Entscheidungen involviert. Das ist auch wichtig so.
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