© BMLUK/Paul Gruber
Du hast ursprünglich studiert und als Intensivkrankenschwester gearbeitet. Was gibt dir die Landwirtschaft, das dir kein anderer Beruf geben kann?
Dass man daheim ist und sich die Zeit und die Arbeit weitgehend selbst einteilen kann. Es ist mehr als ein Job, man ist bei der Familie und kann viel flexibel gestalten: die Zeit, die Ressourcen, den Alltag. Das ist das Schöne daran: Man kann mit den Kindern arbeiten und ihnen diese Werte vermitteln.
Wie erlebst du die gesellschaftliche Debatte rund um Tierhaltung, Nachhaltigkeit und Landwirtschaft?
Für mich ist es oft ein Wertschätzungsthema. Viele Konsumentinnen und Konsumenten möchten zum günstigsten Preis kaufen, aber gleichzeitig das höchste Qualitätsniveau haben. Das kann man so nicht erfüllen.
Ihr habt euren Betrieb außerfamiliär übernommen: Wie lange hat es gedauert, bis ihr fündig geworden seid?
Die gesamte Suche hat über zehn Jahre gedauert. Wirklich fündig geworden sind wir dann über die Perspektive Landwirtschaft. Sie haben ein tolles Unterstützungsangebot: Kennenlernen, Präsentation von Bewerberinnen und Bewerbern für einen Betrieb, und sie bringt Hofübernehmende und Hofübergebende zusammen. Mit der Perspektive Landwirtschaft sind wir strukturierter und mit klareren Vorstellungen an die Sache herangegangen.
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Was waren die größten Hürden bei der Übernahme?
Eine der größten Hürden war die rechtliche Seite. Außerfamiliäre Hofübernahmen kommen nicht so oft vor. Es gibt viele Fragen, auf die man schwer Antworten bekommt. Man braucht Rücklagen, eine landwirtschaftliche Ausbildung und eine klare Vorstellung davon, wie der Betrieb weitergeführt werden soll. Ein Notariat zu finden, das sich wirklich mit außerfamiliären Hofübergaben auskennt, war auch nicht so einfach.
Was waren die schönsten Momente bei der Übernahme?
Der schönste Moment war sicher, als es endgültig uns gehört hat und der Lebenstraum erfüllt war. Diese Gewissheit: Jetzt gehört es uns. Wir haben jahrelang darauf hingearbeitet - als Familie - und dann ist man tatsächlich am Ziel.
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Weil es eine sehr komplexe Thematik ist und keinen klaren, linearen Fahrplan gibt. Für die Übergebenden geht es um ihr Lebenswerk, sie sind vielleicht nicht so offen für Neues. Auf der anderen Seite haben Übernehmende manchmal romantische Vorstellungen, die durch Social Media verstärkt werden. Dass man aber sieben Tage die Woche am Betrieb ist und der Tag nicht nach acht oder zwölf Stunden endet, wird manchmal vergessen.
Warum finden Höfe, die Nachfolge suchen, und Menschen, die einen Hof suchen, oft nicht so leicht zusammen?
Glaubst du, dass Frauen Fähigkeiten in die Landwirtschaft einbringen, die unterschätzt werden?
Ich glaube, dass Frauen oft technikversierter sind, als ihnen zugetraut wird. Durch dieses klischeehafte Bild halten sich manche vielleicht zurück oder werden von Männern unterschätzt. Das Selbstbewusstsein von Frauen müsste gestärkt werden.
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Gibt es typische Bäuerinnen-Klischees, die du nicht mehr hören kannst?
Ein Klischee ist, dass die Bäuerin die liebende Hausfrau und Mutter ist, die den Haushalt macht und am Feld maximal für Handarbeit zuständig ist. Das stimmt so nicht. Durch Technik und Maschinen sind Frauen heute überall im Einsatz. Man darf sich nicht kleinmachen und nicht in ein Klischee drängen lassen. Auf vielen Betrieben steht und fällt der Erfolg mit starker weiblicher Führung.
Welchen Ratschlag würdest du jungen Frauen mitgeben, die überlegen, einen Hof zu übernehmen oder in die Landwirtschaft einzusteigen?
Man sollte sich selbst nicht vergessen. Gerade heute kommt auf Frauen oft viel Verantwortung zu, und vieles wird erwartet. Deshalb ist es wichtig, gut auf sich selbst zu schauen und Zeit zu finden, die eigenen Akkus aufzuladen. Junge Übernehmerinnen, die vielleicht noch nicht so viel Selbstbewusstsein haben, dürfen sich nicht unterdrücken lassen.
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