Ich glaube, es gibt keinen vielfältigeren Beruf, als Bäuerin zu sein.

Bäuerin Karin mit Kürbis in der Hand vor den Regalen ihres Hofladens.

Karin Metz, Kürbisbäuerin, Niederösterreich

© BMLUK/Paul Gruber

Warum habt ihr euch ausgerechnet auf Kürbisse spezialisiert?

Für meinen Mann und mich war immer selbstverständlich, dass wir die Landwirtschaft weiterführen. Gleichzeitig waren wir auf der Suche nach einer Nische, nach etwas Neuem. Meine Eltern hatten Mastschweinehaltung und konventionelle Landwirtschaft. Wir wollten aber etwas Eigenes, etwas Anderes probieren und aufbauen.

Wie haben eure ersten Kürbisse ihren Weg in die Direktvermarktung gefunden?

Unsere allererste Ernte haben wir zur Dekoration unserer Hochzeit verwendet. Neben der Hochzeitstorte sind unsere ersten Kürbisse gelegen. Natürlich sind dann welche übriggeblieben. Da haben wir beschlossen, sie zu verkaufen, direkt bei uns am Straßenrand. Das war der Startschuss für unsere Direktvermarktung.

Dabei war der Weg am Anfang mühsam. Vor 20 Jahren bin ich mit meinem Kürbis zu den Leuten gegangen und hab gesagt: Das ist ein Speisekürbis, daraus kann man Suppe machen! Und sie haben gefragt: Was willst du mit dem Saufutter? Der Kürbis war damals überhaupt nicht etabliert. Heute ist es ganz anders: So wie die Erdbeerzeit oder die Spargelzeit, gibt es auch eine Kürbiszeit.

Bäuerin Karin räumt Flaschen mit Kürbiskernöl in Regale in ihrem Hofladen.

© BMLUK/Paul Gruber

Die Nachfrage war am Anfang noch nicht groß. Aber unsere Begeisterung war riesig!

Absolut. Ich mag den direkten Kontakt mit meinen Kundinnen und Kunden. Wenn man sich um Qualität bemüht und dann direkte Rückmeldung bekommt, dass etwas gut ist oder dass jemand Freude daran hat, dann ist das sehr erfüllend. Auf Wünsche, Fragen und Bedürfnisse kann ich so rasch reagieren und mich persönlich bzw. unser Angebot weiterentwickeln.

Ich verstehe aber auch Bäuerinnen und Bauern, die vielleicht einen ganz anderen Eindruck davon haben, was Konsumentinnen und Konsumenten über Landwirtschaft denken. Wenn dieser direkte Dialog fehlt, entstehen leichter Vorurteile. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung passen da oft nicht ganz zusammen.

Lernst du durch den direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden viel dazu?

Was macht dich als Unternehmerin aus?

Was ich leidenschaftlich gern mache, ist Netzwerken. Ich sage immer: Ich tue nicht Netzwerken, ich tue „Metz-werken“. Ich liebe die Kommunikation und bin gerne unter Menschen. Es macht mir große Freude, in die Sichtbarkeit zu gehen. Mittlerweile gestehe ich mir auch ein, dass das ein Erfolgsfaktor unseres Betriebes ist. Laufende Weiterbildung und persönliche Weiterentwicklung sind für mich auch sehr wichtig!

Du bietest auch Exkursionen an und machst „Schule am Bauernhof“. Warum ist es heute wichtig, dass mehr Bäuerinnen und Bauern ihre Hoftüren öffnen?

Ich habe selbst erkannt, dass unser Wissen ein großer Schatz ist. Für mich ist vieles selbstverständlich und normal. Aber wenn ich dann darüber spreche, wie wir etwas machen, merke ich oft: Das haben viele gar nicht gewusst! Deshalb ist es wichtig, den Menschen die Basics unserer täglichen Arbeit am Hof zu erzählen, zu zeigen und erlebbar zu machen.

Das Wissen rund um Landwirtschaft muss wieder zurückkommen: Wie wächst etwas? Welche Sorgen haben Bäuerinnen und Bauern? Warum ist das Wetter für uns so wichtig? Es braucht einfach Dialog um Verständnis zu schaffen.

Bäuerin Karin spricht mit einer Gruppe Frauen vor ihrem Hof.

© BMLUK/Paul Gruber

Ihr habt euch letztes Jahr ein KI-Hackgerät angeschafft. Was bedeutet KI für die Zukunft der Landwirtschaft?

Ich glaube, dass KI und neue Technologien extrem spannend werden. Da passiert gerade eine Revolution – fast so wie damals vom Pferd zum Traktor. Unser KI-Hackgerät ist eine echte Erleichterung: 80-100 Arbeitsstunden händisches Hacken sind damit in einer Stunde erledigt. Ich finde es cool, bei solchen Dingen früh dabei zu sein, ein bisschen Pionierarbeit zu leisten und gute Erfahrungen weiterzutragen.

Da hat sich sehr viel verändert. Heute kann man sich als Frau am Hof stärker aussuchen, was man einbringt. Carearbeit liegt zwar immer noch stark bei den Frauen, aber die Gestaltungsmöglichkeiten sind größer. Entscheidungen werden partnerschaftlich getroffen, jeder soll sich entfalten können!

Ich sehe mich heute als Unternehmerin, Managerin und Botschafterin. Bei Exkursionen erzähle ich oft, welche Aufgaben ich habe: Controlling, Vertrieb, Buchhaltung, Social Media, Eventkoordination und vieles mehr. All das steckt in meinem Beruf: Ich bin Bäuerin – und genau diese Vielfalt finde ich so cool.

Wie hat sich die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft verändert?

Bäuerin Karin beim abfüllen von Kürbiskernöl in ihrem modernen Produktionsraum am Betrieb.

Hast du das Gefühl, dass Bäuerinnen sich manchmal selbst unterschätzen?

Ja, ganz sicher. Ich nehme wahr, dass es den Frauen immer noch an Selbstwert und Selbstbewusstsein fehlt und sie sich nach Bestätigung und Wertschätzung sehnen. Wir haben so viel Wissen, Erfahrung und vielfältige Talente – wir dürfen noch mehr lernen, dies nach außen zu tragen!

© BMLUK/Paul Gruber

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